Fachärztliche Diagnostik

Hilfe in Krisen

Ganzheitliche Therapie

Schmerztherapie

Ärztliche Begleitung

Anorexie und Bulimie / Ess-Störungen

Hunger der Seele, Hunger nach Liebe, das Schönheitsideal unserer Gesellschaft: vieles wird als Grundlage für eine der schlimmsten und doch sehr häufigen Erkrankung aus der Gruppe der Ess-Störungen gesehen: der Bulimie (Ess-Brechsucht). Schwere körperliche Schäden, wie Speiseröhrenverätzungen, Zahnausfall und Knochenschwund können die Folge sein. Die Zahl der jungen Frauen (selten auch Männer), die unter dieser Sucht leiden ist sehr groß. Aber, wie bei viele anderen Krankheiten, die ihre Ursache im Unbewussten haben, kommen nur wenige damit heraus. Die meisten glauben, damit allein fertig werden zu müssen. Es ist aber eine Tatsache, daß wir Psychotherapeuten und Ärzte helfen können. ...Vorausgesetzt Sie bekennen sich zu dem Leiden.

Ein großes Thema unserer Zeit

Essstörungen sind heute ein großes Thema. Essen ist für uns lebenswichtig, aber für mache wird es zur Besessenheit. Wer wünscht sich nicht eine "bessere Figur", kaum jemand ist mit seinem Aussehen zufrieden. Die Medien und die Werbung suggerieren ein Schlankheitsideal, das jeder Vernunft entbehrt, viele Modells sind selbst sehr krank. Dennoch sind sie Vorbilder und leben jungen Menschen eine Scheinwelt vor.

Psychotherapie:

Ess-Störungen sind die klassische Indikation für Psychotherapie. Statistiken zeigen sehr hohe Erfolgsquoten, wenngleich niemand erwarten darf, dass der Erfolg sehr rasch eintritt. Durchschnittlich zwei bis drei Jahre sind erforderlich um echte Verbesserungen zu erzielen. Diese Jahre sind harte und mitunter auch schmerzvolle Veränderungsarbeit. So mancher Wohnungs- oder Berufswechsel ist erfolgt, so mancher Partner wurde verlassen, so manches Luftschloss wurde eingerissen.

Psychotherapie bei Ess-Störungen erfordert die Bereitschaft das Leben neu zu strukturieren. Hier passiert nichts von selbst und nichts ist Zufall. Ess-Störungen sind Süchte und sitzen daher tief in der Persönlichkeit verankert. Da die Therapie langfristig läuft ist es sinnvoll, Therapeuten zu suchen, die über Jahre Stabilität bieten können und mit der Dynamik und den Problemen der Therapie dieser Erkrankungen gut umgehen können.

Obwohl die Therapie immer als Einzeltherapie beginnen sollte, kann ergänzend eine Gruppentherapie, vielleicht sogar ein Aufenthalt in einer Klinik sehr sinnvoll sein.

Medizinische Betreuung und Therapie:

Untergewicht, rasche Gewichtsabnahme und häufiges Erbrechen können schwere, lebensbedrohliche Krankheiten verursachen. Verätzungen der Speiseröhre und der Mundhöhle, Zahnausfall, Elektrolyt-Störungen, Muskelschwäche und Nervenlähmungen können auftreten. Diese Krankheiten sind nicht selten die ersten Signale an die Mitmenschen, dass die/der Betroffene an einer Ess-Störung leidet. Nicht günstig ist es nur die körperlichen Folgen des Erbrechens zu behandeln und die Ursache weiter bestehen zu lassen. Aber die körperlichen Symptome müssen behandelt werden, sonst besteht unmittelbare Lebensgefahr.

Body-Mass-Index: die magische Zahl, wenn es um Ernährung geht. Der BMI drückt das Verhältnis von Körpergröße zu Gewicht aus. (Kg Körpergewicht / Quadrat d. Körpergröße in m) Als normal wird ein BMI zwischen 19 und 25 angesehen. BMI-Werte unter 15 können lebensbedrohliche Magerkeit zeigen. Manche Therapieformen sind in diesem Bereich nciht mehr möglich. Bei Anorexie, bei extremen Untergewicht wird eine stationäre Aufnahme nötig, um lebensgefährliche Situationen abzuwenden. Gerade die Gewichtsszunahme von einem BMI unter 13 auf 15 hat so manche Tücke und muss unter medizinsicher Überwachung erfolgen. Das ist eine internistische Notfallmaßnahme. Bei BMI über 15 haben Aufenthalte zur stationären Psychotherapie (Gruppentherapie, Einzeltherapie und Ernährungsschulung) erst wirklich Sinn.

Medikamentöse Therapie

Die Ursachen-spezifische medikamentöse Therapie der Ess-Störung ist derzeit nicht möglich. Aber dennoch gibt es gute unterstützende Pharmaka die den Verlauf bremsen und die Psychotherapie erleichtern. Der erfahrene Facharzt hat hier verschiedene wirkungsvolle Instrumente der/dem Betroffenen zu helfen. Aus meiner Erfahrung gibt es praktisch keine Betroffene, die nicht zumindest zeitweise eine Depression hätte und die Behandlung tut einfach gut. Bei manchen Essstörungen steht ein richtiges "Suchtverhalten" im Vordergrund, das behandelt werden kann, und auch hier gibt es hilfreiche Medikamente. Nicht selten liegt einer Essstörung eine schwere psychische Verletzung zugrunde. Es kann vorkommen, dass ein Teil der Persönlichkeit hungern möchte, während der Rest sich gesund ernähren möchte. In diesen Fällen ist eine sehr intensive Begleitung und meist auch medikamentöse Therapie sinnvoll.

Therapie:

Da das Essen ein existentieller Bestandteil unseres Lebens ist gehört auch die Behandlung von Essstörungen zu den ganz grundlegenden Veränderugnskonzepten und stellt an die Betroffenen wie auch an die Therapeutinnen und Ärzte die höchsten Anforderungen.

Damit sind die Erfolgschancen für eine zeitlich begrenzte Therapie sehr bescheiden. Auch eine stationäre Therapie kann in wenigen Wochen nur sehr selten die grundlegende Weichenstellung ermöglichen.

Zum Unterschied von einer akuten somatischen Erkrankung, wie z.B. einer Lungenentzündung oder einem Herzinfarkt, kann die stationäre Therapie einer Ess-Störung nur ein Teil eines therapeutischen "Mosaiks" sein, nicht aber die Grundlage oder der Ausgangspunkt der Heilung.

Das Wesen der "Therapie" ist ein Wunsch und der Mut zur Veränderung. Es gehört sehr viel dazu ein langjähriges - wenn auch schädliches, aber doch vertrautes - Verhalten aufzugeben und sich Neuem zu öffnen. Psychotherapie, einzeln und in Gruppen, Schulungen, viel aktives Auseinandersetzen mit sich selber sind die Basis. Medikamente oder stationäre Therapie lediglich die Ergänzung.

Ein erster Schritt muss getan werden: Essstörungen sind schädlich für die Gesundheit von Körper und Seele und manchmal auch tödlich. Gehen Sie in Beratung - es gibt Hilfe. Ob Facharzt, Psychotherapeutin oder Frauenberatungsstelle Sie als Betroffene und Sie als Angehörige sind nicht allein, nehmen Sie die Hilfe an!

 

(© Possnigg 2012)