Angst und Panik – Fragen und Antworten

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Angst und Medikamente

Frage

Sehr geehrter Herr Dr. Possnigg,

ich leide seit circa drei Jahren an massiven Ängsten sozialer Natur, die ursprünglich einen äußeren Auflösungsfaktor hatten (extremes Mobbing am Arbeitsplatz).

Ich habe in diesen letzten Jahren diverses versucht, darunter 1 Jahr Therapie, vermutlich aber war ich nicht ausdauernd genug.

Außerdem – und das ist jetzt meine eigentliche Anfrage – nehme ich seit dieser Zeit mit Unterbrechungen das Medikament x (ein SSRI). Damit geht es mir auch meistens etwas besser, ABER ich habe schon vier oder fünf Mal versucht, das Medikament abzusetzen. Das spielt sich dann immer so ab: nach erst zwei, drei Monaten kommen alle Symptome wieder zurück. Jetzt sagen mir alle, dass diese Zeit zu lang ist, um noch etwas mit dem Medikament zu tun zu haben.

Stimmt das oder kann es sein, dass der Spiegel so langsam fällt und vor allem: Wie komme ich von diesem Medikament weg? Das wäre nämlich mein absolutes Ziel.

Was kann ich sonst noch probieren, außer ein neues Medikament?

Therapie und wenn ja welche oder was ist von Biofeedback zu halten oder wo kann ich mich ausführlich beraten lassen?

Vielleicht können sie mir einen Rat geben. Besten dank und mit freundlichen Grüßen

mag. xy

Meine Antwort

Sehr geehrte Mag XY,

danke für Ihre Anfrage. Das Medikament x (ein SSRI) hat – wie Sie es auch von Ihren Bekannten hörten – eine kürzere Verweildauer im Körper. Nach spätestens einer Woche ist nichts davon mehr da. Dennoch haben Sie erst nach Monaten Beschwerden. Sie sind damit nicht allein, manche Patienten berichten von solcher Symptomwiederkehr und das auch recht unabhängig davon, welches Präparat genommen wurde. Es handelt sich also nicht um eine körperliche oder seelische Abhängigkeit, sondern um eine zu kurz behandelte Angsterkrankung. Angststörungen aller Ursachen haben die unangenehme Eigenschaft, manchmal über Jahre zu dauern. Daher sollte auch die Therapie längerfristig geplant werden. Das heißt aber nicht, dass Sie unbedingt das Medikament X immer und ewig nehmen müssen. 1) es gibt andere – vielleicht bessere – Substanzen. 2) Wesentlich ist es, die Faktoren, die mit Angst zu tun haben zu erforschen und Bedürfnisse die unbefriedigt sind zu stillen. Hierzu gehört eventuell auch ein Umdenken, ein in sich hineinhören – Veränderung – mehr als nur ein Umlernen, wie es bei Biofeedback der Fall ist. Biofeedback ist vielleicht ein guter Einstieg in Entspannung, den Körper kennenzulernen, es hilft aber nicht tiefergreifende Veränderungsarbeit zu leisten. Diese wäre aber bei Angststörungen gerade gut.

Vielleicht können wir im Rahmen einer ärztlichen Sprechstunde etwas mehr zu dem Thema besprechen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Possnigg

Verstärkte Panikattacken seit meiner Schwangerschaft!

Frage

Lieber Herr Dr. Possnigg,

ich suche dringend jemandem, der mir aus meinem Teufelskreis heraus hilft. Nachdem ich nicht wirklich jemanden kenne, wende ich mich jetzt ganz einfach an sie. Außerdem finde ich ihre Homepage sehr nett.

Ich habe vor 7 Monaten eine Tochter bekommen und bin eigentlich seit der Schwangerschaft ständig „krank“ und habe verstärke Panikattacken!

Entzündungen – ständige Müdigkeit und Abgeschlagenheit (obwohl meine Tochter durchschläft und ich nicht stillen muss) – Sehstörungen

Meine praktische Ärztin meinte, dass ich seelisch nicht ganz fit bin (bedingt durch die Hormonumstellung von Schwangerschaft auf Stillperiode und jahreszeitbedingte Depression) und dadurch sehr anfällig auf Krankheiten bin.

Ich selbst leide schon seit ca. 9 Jahren an Panikattacken (Ängste oder Panikstörungen wie auch immer). Ich war vor ca. 5 Jahren kurzfristig in Behandlung bei dr. xxx der mir fluktine und buspar verschrieben hat, habe aber nach ca. einem 1/2 Jahr damit selbst aufgehört, weil es mir wieder sehr gut ging (ich weiß, das soll man nicht).

Ich habe Angst in folgenden Situationen: – u-Bahn (ich fahre seit ca. 4 Jahren nicht mehr alleine – nur in Begleitung) – Lift – wenn viele Menschen um mich sind – Kino, Theater – wenn ich selbst ein Fahrzeug lenke (am schlimmsten auf der Autobahn) ich fahre seit 5 Jahren nicht mehr – es hat jetzt angefangen, dass ich sogar als Beifahrer auf der Autobahn Angst bekomme – als ein völliger Stau auf der Autobahn war und wir nirgendwo abfahren konnten – manchmal auf der öffentlichen Straße – manchmal in großen Einkaufszentren (IKEA …) – manchmal im Bus, Straßenbahn – im Wald, auf einsamen orten, wo keine Menschenseele ist, da glaub’ ich, wenn mir jetzt was passiert, dann kann mir hier niemand helfen. Bis ein Arzt da ist, bin ich schon hinüber – manchmal sogar zu Hause – ich habe sicher noch ein paar Sachen vergessen.

Ich glaube, es ist auch so schlimm geworden, weil ich mein Kind dabei habe. Ich habe Verantwortung für sie und denke immer, was ist, wenn mir jetzt was passiert!

Also auf jeden Fall brauche ich jetzt ganz, ganz dringend Hilfe! Ich halte diesen Zustand nicht mehr länger aus.

Ich hoffe, sie sind mir nicht böse, dass ich ihnen per E-Mail meine Leidensgeschichte schreibe und das auch noch so verwirrend. … aber ich will nur mal vorab wissen, ob sie mir helfen können.

vielen lieben dank schon im voraus

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Meine Antwort

Liebe xxxxxxxxxxxxxxxx,

danke für ihr ausführliches Mail. Ich verstehe, wie schlimm es für Sie sein muss, diese mehrfachen Infekte und die Panik zu haben und zusätzlich noch mit einem kleinen Kind sehr gebunden zu sein. So wie Sie die Leidensgeschichte darstellen, wäre sicherlich auch eine ganzheitliche Therapie sinnvoll. Dazu gehören unter anderem Homöopathie, Akupunktur und natürlich auch Psychotherapie. Die Therapie mit Fluctine und Buspar war sicherlich gut, kann aber erst wieder angewendet werden, wenn Sie das Kind nicht mehr stillen. Jetzt wäre Akupunktur und ein „sanftes“ Medikament angezeigt.

Vielleicht ist es Ihnen doch möglich, in meine Ordination zu kommen. Für die Erstordination bekommen von der WGKK etwa 70 % zurück. Wie oft sie dann kommen müssen, und ob es nicht doch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln geht, wird man dann ja sehen.

Wenn Sie einen Termin vereinbaren wollen, rufen Sie bitte ab Montag 470 88 70 an. Ich denke, es würde sich schon für Sie lohnen,

Mit lieben Grüßen

Dr. Possnigg

Mache ich etwas falsch und wenn ja was?

Frage

Sehr geehrter Hr. Dr. Possnigg!

Mein Name ist xxx, ich bin etwa 30 Jahre alt und ich leide seit ca. 10 Jahren an Panikattacken und Depression. Ich begann meine Medikation mit xxx als ich eines Tages aufgrund meiner extremen Schüchternheit und Errötungsanfälle Hilfe bei einem Psychiater suchte. Depressiv war ich damals nur zeitweise, eher melancholisch, und Panikattacken bekam ich erst als ich nach einiger Zeit die Tabletten absetzte.

Das Resultat war nun also: Meine Schüchternheit war noch immer da, dafür hatte ich nun Panikattacken und wenn ich die Tabletten – jetzt xxx und xxx – absetzen will, gehe ich durch die Hölle und bin nicht mehr arbeitsfähig. Ich begann also meine Behandlung mit xxx, dannach xxx, und nehme z. Zt. xxx (1 Stück) und eine halbe Tablette xxx täglich. Es geht mir damit prinzipiell gut, verglichen damit, wenn ich versuche sie abzusetzen, dennoch fühle ich mich zeitweise down, schwindlig und depressiv, v.a. im Winter. Ich habe zeitweise leichte Sprachstörungen und vergesse oft sehr schnell, was das Kurzeitgedächtnis angeht. Auch die Panikattacken werden nicht zur Gänze behoben (bei Stau im Auto od. an der Kreuzung bei Rot kommt es fast immer zu Panik bis hin zu Ohnmachtsgefühl), was bei mir die Vermeidungsstrategie auslöst.

Ich habe nie eine Therapie im eigentlichen Sinne erhalten, aus Angst noch tiefer in Depressionen zu verfallen, wenn ich mich mit dem Problem noch stärker beschäftige. Auch Selbsthilfegruppen sind mir unangenehm, da ich immer das Gefühl habe, ich sauge die Erlebnisse der anderen in mich auf und nähre damit den Boden für neue Neurosen. Irgendwie habe ich mich damit abgefunden von Medikamenten abhängig zu sein, die mir nicht einmal gänzlich helfen. Ich will einfach nur solange es geht leben und das so normal wie eben möglich.

Da ich nun aufgrund der Medikamente in den letzten Jahren deutlich an Gewicht zugelegt habe, begann ich seit einem Jahr regelmäßig Sport zu betreiben und ins Fitness-Center zu gehen, was auch seine Wirkung zeigte. Dennoch habe ich v.a. beim Krafttraining oft bei größeren Anstrengungen Schwindelgefühl und Herzrasen, einmal wurde mir schon etwas schwarz vor den Augen. Dies nährt in mir wieder eine neue Befürchtung, nämlich die Angst einen Gehirnschlag zu erleiden.

Mache ich nach Ihren Erfahrungen etwas falsch und wenn ja was?

Zu meinen sonstigen Lebensgewohnheiten: Ich trinke 3 Kaffee pro Tag, rauche 5–6 Zigaretten pro Tag und ernähre mich größtenteils vegetarisch.

Für Ihre Antwort vielen Dank im Voraus.

Mit freundlichen Grüßen

xxx

Meine Antwort

Lieber Herr xxx,

ich danke Ihnen für Ihren offenen Bericht. So wie ich Ihre Geschichte lese, scheint wirklich eine lange und schwerwiegende Panikerkrankung bzw. Depression vorzuliegen. Ich denke hier weniger an „Sucht“ im engeren Sinn, da Sie ja doch mit einer sehr niedrigen Dosis xxx auskommen.

Ich finde es großartig, dass Sie in ein Fitness-Center gehen und denke, dass Sie in dieser Situation wohl das Beste tun.

Allerdings glaube ich, dass es dennoch sinnvoll wäre, noch einmal einen Vorstoß in Richtung Psychotherapie zu wagen. Depression ist schließlich nur eine andere Facette der Angst und beide haben ihre Basis in denselben Erlebnissen und sind auch biologisch nahe bei einander. Vielleicht kann ich Ihnen helfen, den Mut für einen Therapieversuch aufzubringen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Possnigg

Welche Therapieform ist am wirkungsvollsten?

Frage

Sehr geehrter Herr Dr. Possnigg!

Ich leide seit etwa 7 Jahren an Panikattacken, die sich insofern äußern, als mir vorerst ein aus mir unerklärlichen Gründen ein Kloß im Hals entsteht, der dann an Stärke zunimmt und dass sich meistens einer meiner beiden Unterarme in nervösen Zucken äußert. Ich bin dann nicht mehr fähig, „normal“ zu
handeln und komme in eine Stressspirale hinein, aus der ich nur mehr durch Schlafen wieder herauskomme. Erklärend möchte ich hinzufügen, dass ich IT Techniker bin und meine Panik damit begonnen hat, dass ich irrsinnig viel Stress, Drohungen und Mobbing über Jahre hinweg ausgesetzt war, ebenso im privaten Bereich
viele Belastungen hatte.

Ich war bereits bei einigen Therapeuten, was mich zwar Unmengen an Geld gekostet hat, jedoch nie auch nur eine annähernde Besserung gebracht hat. Ich versuchte, mein Problem selbst in den Griff zu bekommen, jedoch sehe ich ein, dass ich es alleine wohl nicht schaffe, da sich bis dato die Zustände eher noch verstärkt haben. Ich denke dass ich so etwas wie eine „Tiefenpsychologie“ benötige.

Ich würde von Ihnen gerne wissen, ob Ihnen meine dargestellten Symptome bekannt vorkommen und ob sie „wirkungsvolle“ Therapiemöglichkeiten dazu haben, bzw. ob sie Fälle wie meinen schon erfolgreich behandelt haben. Ich bin nämlich schon etwas verzweifelt, da ich wie schon erwähnt ich schon öfters in Behandlung war und sich keine Besserung eingestellt hat.

Ebenso würde ich gerne wissen, wie viel die Behandlung kosten würde.

xxx

Meine Antwort

Lieber Herr xxx,

Panikattacken können eine relativ unspezifische psychosomatische Antwort auf Disstress jeglicher Ursache, also auch Mobbing und Frustration sein. Die „Therapie“ kann weder eingleisig noch passiv sein.

Das heißt:
1) es sind eine Reihe von Maßnahmen erforderlich (z.B. Konditionsaufbau, Ausgleichsbeschäftigungen, Entspannungstraining,…. und als eine Möglichkeit von vielen auch Psychotherapie)
2) nur wenn Sie selbst etwas unternehmen, hat es einen Sinn. Eine passive Wundertherapie (Hypnose o.ä.) hat wenig Erfolgschancen
3) von ärztlicher Seite können Akupunktur und vielleicht auch Medikamente vorübergehend helfen, es gibt natürlich auch andere Alternativen, aber allen ist gemeinsam, dass sie nur dann wirken, wenn sie Sie in eine selbstbestimmte proaktive Rolle bringen.

Ich biete keine „Patent-Behandlung“ an, aber konkrete Hilfe für Ihre Bedürfnisse, Hilfe zur Selbsthilfe. Wenn Sie Interesse an einem eingehenden ärztlichen Gespräch haben, bei dem wir gemeinsam überlegen können, welche Möglichkeiten für Sie infrage kommen, melden Sie sich bitte. Meine Assistentin wird Ihnen einen Termin geben (Tel 470 88 70).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Possnigg

Was ist eine Nervenwasseruntersuchung?

Frage

Hallo Herr Dr. Possnigg!

Danke für Ihre rasche Antwort. Sie haben recht, eine Magnetresonanzuntersuchung wurde bereits bei mir vorgenommen und sie war unauffällig. Aber sieht man im Anfangsstadium bei der MS auch wirklich etwas? Vielleicht können Sie mir ein paar Zeilen über die Nervenwasseruntersuchung zukommen lassen. Vielleicht mache ich mich wirklich nur wieder verrückt und sollt das lieber lassen. Vielleicht

Ich freue mich, dass sie über die Homepage Anfragen in Ihrer Praxis haben.

Liebe Grüße

xxx

Meine Antwort

Lieber Herr xxx,

erstens gratuliere ich zu dem Entschluss, ein Buch zu schreiben. Ich bin auch gerne bereit Ihnen beizustehen oder – wenn Sie das möchten – etwas dazu beizutragen.

Zweitens: Zur Nervenwasseruntersuchung: Liquorpunktion. (LP) Liquor wird die Flüssigkeit genannt, in der das Gehirn und das Rückenmark schwimmen. Diese wird von speziellen Zellen ständig aus dem Blut abfiltriert und hat eine andere Zusammensetzung als das Blutplasma, speziell, wenn das Gehirn oder Rückenmark erkrankt ist. Besonders bei akuten Entzündungen (Hirnhautentzündung – Meningitis, oder Hirnentzündung – Encephalitis) und bei Multipler Sklerose (auch: Encephalomyelitis disseminata) findet man Veränderungen der Flüssigkeit. Bei der letztgenannten Erkrankung, die Sie ja besonders interessiert, ist das Vorgehen folgendes:

Es treten Symptome wie Lähmungen, Sehstörungen oder umschriebene Gefühlsausfälle auf. Dies müssen „neurologisch fassbare“ Symptome sein, also ein Nervenarzt muss diese Symptome durch die klinische Untersuchung auch bestätigen können und auf keine andere Krankheit zurückführen.
Es erfolgt Aufnahme in ein Krankenhaus, ev.-falls möglich Magnetresonanztomografie (Gehirn) mit Kontrastmittel.
Blutuntersuchung (wichtig auch Gerinnung) und Augenhintergrundbeurteilung durch einen Augenarzt.
Erst wenn alle anderen diagnostischen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, entschließt man sich zur LP, da es doch eine „invasive“ Methode ist und ein geringes Risiko an Nachwirkungen (Kopfschmerzen, Übelkeit …) besteht.
Liquorpunktion durch „Kreuzstich“, die Flüssigkeit wird durch eine dünne Hohlnadel, die zwischen 3. und 4. Lendenwirbel eingestochen und bis zum Rückenmarkskanal herangeführt wird gewonnen.
Für den Patienten anschließend absolute Bettruhe für 24 Stunden und viel Flüssigkeit.
Der Liquor wird im Labor untersucht, das Ergebnis kommt nach einigen Tagen.
Achtung: Diese Untersuchung ist nur bei frischen, akut aufgetreten und koinisch fassbaren Symptomen sinnvoll. Wenn das Auftreten der Symptome länger als eine Woche zurückliegt, ist die Kernspintomografie aussagekräftiger.

Ich glaube, dass bei Ihnen diese Untersuchung nicht erforderlich ist.

MfG

Dr. Possnigg

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